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Freier Vortrag

Demenzfreundliche Bestattungsberatung

10.00 - 10.30 Uhr
Kleines Forum

Ausstellervortrag

Der Tod ist heutzutage doch tabufrei!“ Regelmäßig wird diese Feststellung in Gesprächen von und mit Bestattern getroffen. Dabei verbergen sich hinter dieser Feststellung mehr Fragen und Unsicherheiten als Gewissheiten. Dies wird sehr schnell deutlich, wenn Menschen mit dem Tod in ihrer eigenen Umgebung umzugehen haben. Häufig wird in Beratungsgesprächen aus Unsicherheit und mit dem Ziel, die Betroffenen zu schonen, „um den heißen Brei herumgeredet“. Als besonders heikel wird die Situation dann empfunden, wenn Hinterbliebene mit Demenz dem Bestatter gegenübersitzen. Es ist selbstverständlich, dass Menschen mit Demenz, die z.B. den Partner oder ein Kind verlieren, einer besonderen Aufmerksamkeit, Sensibilität und ggf. „Schonung“ bedürfen. Aber wie soll dies in der Praxis geschehen? Oft ringen sowohl (pflegende) Angehörige als auch professionelle Betreuer mit der Frage, ob ein Mensch mit Demenz an einer Bestattung überhaupt beteiligt sein sollte. Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Mensch mit Demenz eher stirbt als sein Partner oder der Angehörige, der sich um ihn kümmert. Die Zahl der Demenzkranken steigt jährlich und es kommt immer häufiger vor, dass zu den Hinterbliebenen Demenzkranke gehören. Es ist daher offensichtlich, dass ihre professionelle Betreuung eine Aufgabe höchster und zunehmender Aktualität und Relevanz ist. Es fällt jedoch auf, dass sowohl Angehörige als auch professionelle Betreuer von Demenzkranken sich der Bedeutung dieser Herausforderung bei einem Sterbefall nicht bewusst sind. Pflegekräfte neigen häufig dazu, die Teilnahme von den Betroffenen an Abschied und Bestattung für zu aufwändig und zu stressig, darum insgesamt für unnötig zu erachten. Dazu kommt, dass Pflegekräfte und Bestatter oft nicht zusammenarbeiten und von ihrer jeweiligen Arbeit, Vorgehensweise und Intentionen nichts wissen. Oft findet überhaupt keine Kommunikation statt.
Eine Betreuerin, die seit 30 Jahren Demenzkranke begleitet, sagte zu uns: „Ich vertraue meinen Bewohner nicht einfach an einen Bestatter an, ich weiß doch gar nicht, was dieser mit meinem Bewohner macht und ihm zumutet.“ Insgesamt führt dies dazu, dass den Belangen Angehöriger mit Demenz bei der Bestattungsberatung keine oder nur geringe Aufmerksamkeit gewidmet wird. Von einer methodischen Vorgehensweise ist die Praxis der allgemeinen Bestattungsberatung darum in aller Regel weit entfernt.
Angesichts dieses Befundes erscheint es notwendig, aber auch möglich, in der Bestattungsberatung auf die zunehmende Zahl von Angehörigen mit Demenz angemesseneinzugehen. 

Referent/-in:
Sybille Wetzel

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